Künftig werden Unternehmen nur dann erfolgreich sein, wenn sie einen Unterschied produzieren. Davon ist Dr. Peter Kreuz, Bestsellerautor und Wirtschaftsberater überzeugt. Am 19. Januar 2011 war er zu Gast beim Marketingclub in Heilbronn. Er referierte vor über 400 Zuschauern unter der Glaspyramide der Kreissparkasse. Heilbronn und gab wertvolle Tipps, wie Unternehmen gerade durch ein unkonventionelles Management erfolgreich sein können.
Das Hauptproblem vieler Unternehmen sei, so Kreuz, dass die meisten Mitarbeiter nicht mit Begeisterung arbeiten und deshalb nicht ihr volles Potenzial nutzen könnten. Während im Industriezeitalter in erster Linie klassische Werte wie Zuverlässigkeit, Fleiß und Pünktlichkeit ausgereicht hätten, um als Unternehmen erfolgreich zu sein, würde es jetzt mehr denn je um Eigenschaften gehen, die sich durch Druck von außen nicht herstellen ließen: Kreativität, Initiative und Intelligenz. „Die Märkte haben sich verändert, die Konkurrenz ist beliebig groß“, so der Querdenker. Gerade deshalb komme es entscheidend darauf an, „dass die Mitarbeiter ihr Herz mit zur Arbeit bringen“. Umfragen hätten jedoch gezeigt, dass die breite Masse der Belegschaft nur so mitschwimme, den Dienst nach Vorschrift absolviere. Interessanterweise engagierten sich jedoch genau dieselben Mitarbeiter in ihrer Freizeit in der Kirche, im Verein oder im Sport. „Wie passt das zusammen?“, fragte sich der promovierte Wirtschaftswissenschaftler und kam zu dem Schluss: „Die Kreativität und die Leidenschaft werden durch unternehmensinterne Kontrollmechanismen im Keim erstickt.“ Wenn man um Mitarbeiter einen Zaun ziehe, dürfe man sich später nicht wundern, wenn sie zu Schafen werden. Mechanismen, wie eine Belohnung für gewünschtes Verhalten und eine Bestrafung für unerwünschtes Verhalten, würden laut einer Studie des renommierten MIT im Zusammenhang mit kreativer Wissensarbeit nicht mehr funktionieren. Doch wie dann? Dr. Peter Kreuz ist sich sicher: Drei Faktoren müssen erfüllt sein, um in den Kreativarbeitern die Leidenschaft für ihre Arbeit zu entfachen:
1. Selbstbestimmung: „Mitarbeiter brauchen ausreichend Freiraum in ihrer Tätigkeit, um etwas Neues zu entwickeln.“ Zum Beispiel, Arbeitszeit zur freien Verfügung, um sich etwas komplett Neues für ihren Bereich zu überlegen – unabhängig vom Erfolg der Idee.
2. Können: „Mitarbeiter beschäftigen sich dann mit einem Thema, wenn sie darin Meister werden wollen“, so Kreuz. Menschen würden sehr schnell etwas dazu lernen, wenn sie eine Herausforderung meistern wollten. Um tatsächlich besser werden zu können, sei es jedoch genauso wichtig, permanent Feedback zu bekommen und nicht nur einmal pro Jahr im Zielvereinbarungsgespräch.
3. Sinn: „Sinn entsteht nur, wenn Menschen das, was sie tun, mit dem in Verbindung bringen, was ihnen wichtig ist“, erklärte Kreuz. Die Mitarbeiter müssten also von der Sinnhaftigkeit ihrer Tätigkeit überzeugt sein, um produktiv und mit Engagement arbeiten zu können.
Eine weitere fundamentale Herausforderung an das Management sei der Unternehmenswandel. „Wissen führt selten oder nie zu Verhaltensänderungen“, davon ist Dr. Peter Kreuz überzeugt. Dennoch würden klassischerweise den Mitarbeitern zunächst Daten und Fakten über die Hintergründe des Neustrukturierung des Unternehmens präsentiert. Um jedoch auf wirkliches Verständnis bei den Mitarbeitern zu stoßen, gehe es in erster Linie darum, das Herz und nicht den Kopf zu erreichen. Dazu müsste man die Mitarbeiter dorthin bringen, wo sie selbst etwas erfahren. „Gefühle sind die wichtigste Basis für eine Veränderung“.
Seinen Zuhörern gab Dr. Peter Kreuz abschließend mit auf den Weg, sich nicht zu viel auf einmal vorzunehmen – denn gerade dabei gehe Kreativität verloren. Wichtig sei es, nicht nur zu erkennen, was zu tun sei, sondern auch, was nicht zu tun ist.
Prof. Dr. Günter Käßer-Pawelka, Präsident des Marketing-Clubs Heilbronn, dankte Dr. Peter Kreuz für seine unkonventionellen Ratschläge und den Mut, Bewährtes in Frage zu stellen. „Es ist wichtig, einen Anstoß von außen zu bekommen, sich von alten Dingen auch mal zu lösen und nicht immer alles weiterzuverfolgen, weil es eben schon immer so gemacht wurde.“ Auch Matthias Peschke, stellvertretender Vorsitzender des Vorstands der Kreissparkasse Heilbronn, freute sich als Gastgeber über die äußerst positive Resonanz des Vortrags: „Gerade in Zeiten sich wandelnder Märkte ist ein kritischer Blick auf die Management-Gepflogenheiten elementar wichtig, um bestehen zu können.“